Die Eingangsstufe



1. Grundschule Gudensberg ~ Schule mit Eingangsstufe

Die Grundschule Gudensberg besteht seit dem Jahr 1968. Kinder aus der Kernstadt und den Stadtteilen Deute, Dorla, Dissen und Gleichen besuchen fünf Jahre lang die Grundschule mit Eingangsstufe. Zurzeit sind es 350 Mädchen und Jungen, die von 27 Lehrer/innen und Sozialpädagoginnen, unterstützt durch eine Referendarin, in insgesamt 16 Klassen unterrichtet werden.
Eine Eingangsstufe für die Fünfjährigen wurde der Schule 1984 zunächst als Schulversuch angegliedert. Seit dem Schuljahr 1993/94 ist die Eingangsstufe wie an ca. 50 weiteren Schulen in Hessen als Regeleinrichtung fester Bestandteil des pädagogischen Konzepts der Grundschule Gudensberg. Die zweijährige Eingangsstufe ersetzt die Klasse 1


2. Idee und Ziel der Eingangsstufe

In die Eingangsstufe werden alle Kinder aufgenommen, die das 5. Lebensjahr voll-endet haben. Besonderes Ziel der Eingangsstufe ist es, einen sanften und möglichst bruchlosen Übergang von der Familie und dem Kindergarten in die Schule zu erreichen.

Die Eingangsstufe bietet die Möglichkeit vorschulisches Lernen eng mit den Lerninhalten des Anfangsunterrichts zu verzahnen. Schwerpunkt der E1 ist es Grundfertigkeiten zu fördern, Arbeitshaltung und Arbeitsformen für die Grundschulzeit zu entwickeln und soziale Verhaltensweisen einzuüben.


3. Organisation ~ Einbindung in die Grundschulgemeinde

Der Unterricht in der Eingangsstufe wird auch wie in allen anderen Jahrgangsstufen im Klassenverband abgehalten. Angelehnt an das Klassenlehrerprinzips werden die Kinder der Eingangsstufenklassen gemeinsam von einer Sozialpädagogin (bzw. einem Sozialpädagogen) und einer Grundschullehrerin (einem Grundschullehrer) unterrichtet. Dieses Pädagogenteam steht den Kindern von Beginn an als feste vertrauensvolle Bezugspersonen bei. Sozialpädagogische Aspekte werden mit Methoden des Grundschulunterrichts verbunden.

Patenklassen betreuen die neuen Schülerinnen und Schüler insbesondere in den ersten Wochen, damit die Schulanfänger ihre Schule möglichst stressfrei kennen lernen.

4. Unterrichtsinhalte und Arbeitsformen der Eingangsstufe

  • Spielerisches Lernen, Soziales Lernen, Einübung von Regeln und Ritualen
  • Sprachentwicklung, Erzählfähigkeit trainieren ~ Reimen; Singen; Abzählverse
  • Training der phonologischen Bewusstheit; Hören, Lauschen, Lernen
  • Tägl. Vorlesen; Umgang mit Büchern, Entdeckendes Lernen der Buchstabenwelt
  • Farben und Formen; Groß und klein; Mengenerfassung, Würfelbilder; Zahlen, Zählen, Mengen erfassen
  • Weltwissen durch Beschäftigung mit Sachthemen orientiert am Jahreskreislauf
  • Schulung der Körpermotorik; vielfältige Bewegung im Sportunterricht ~ Tägl. Bewegungszeit
  • Erlernen schulischer Arbeitsformen, insbesondere auch zur Förderung des selbständigen Arbeitens (Tagesplan, Stationsarbeit, Wochenplan usw.)
  • Schulung der Sinneswahrnehmung ~ Konzentrationstraining
  • Training der Feinmotorik; Umgang mit Schere, Stiften und Kleber usw.
  • Schwerpunktmäßig in der E2 werden dann Lerninhalte und Lernziele des ersten Schuljahres der Regelgrundschule vermittelt.

5.Stundenplan ~ Tages- und Wochenrhythmus ~ Rituale

Alle Kinder der Eingangsstufe werden nach einem verbindlichen Stundenplan unterrichtet. Der Unterricht in der E1 findet täglich von der zweiten bis zur fünften Stunde statt.
Zum einen ist der Stundenplan durch wechselnde Sozialformen geprägt (Kleingruppenarbeit, Arbeit in der Gesamtgruppe, Partnerarbeit oder Einzelarbeit) und zum anderen strukturieren gelenkte Arbeitszeiten, Freiarbeit, Spielphasen und differenzierte Arbeitsphasen den Vormittag. Ritualisierte gemeinsame Frühstücks- und Pausenzeiten sind darüber hinaus fester Bestandteil des Stundenplans. Der Unterrichtsvormittag ist durch die Rhythmisierung von kleineren und größeren Zeiteinheiten geprägt.

Rituale im Tagesrhythmus (Besipiele)
Gemeinsame Begrüßung mit einem Ritual (z.B. Lied, Begrüßung in verschiedenen Sprachen etc.) ~ Kurzer Erzählkreis mit Erzählstein ~ Spielstunde mit Bewegungszeit; Kinder werden nach Plan in die verschiedenen Spielecken eingeteilt; Zeit für Diagnose und Förderung ~ Beendigung der Spielstunde durch akustisches Signal; Aufräumen der Klasse ~ Vorlesen von Büchern ~ Verabschiedung der Großgruppe im Stehkreis mit einem Ritual (z.B. Schlusslied, Abschiedsspruch o.ä.).
Rituale im Wochenrhythmus
Einteilung der Klassendienste ~ Ausblick auf den Inhalt der Schulwoche ~ Gestaltung des Wochenbildes / der Wpchengeschichte ~ Zum Ende der Woche Reflexion über die gesamte Schulwoche ~ Verabschiedung im Stehkreis und lieben Wünschen fürs Wochenende.

Rituale im Wochenrhythmus

Einmal wöchentlich wählen sich die Kinder der Eingangsstufe in jahrgangsübergreifende Projekte ein. Das Spektrum umfasst die Hauptfächer Mathematik / Deutsch / Sachunterricht, aber auch Angebote aus den Bereichen musisch-ästhetische Erziehung

Rituale im Jahresrhythmus
Feste und Feiern sind ein wichtiger Bestandteil des Unterrichts und strukturieren das Jahr. Mit ihnen verbinden sich zahlreiche Rituale: Martinsfest und Nikolaustag feiern ~ Advents- und Weihnachtszeit besonders gestalten ~ Beachtung kirchlicher Feste wie Ostern und Erntedank ~ Geburtstagsrituale: Geburtstagskrone tragen, Lied singen, Kerze anzünden ~ Fasching feiern.


6. Diagnose, Förderung und Differenzierung

In die Eingangsstufe der Grundschule Gudensberg werden alle Kinder aufgenommen, die das 5. Lebensjahr vollendet haben. Von individuellen Lernvoraussetzungen eines jeden Kindes wird ausgegangen. Die zweijährige Eingangsstufe bietet die Gelegenheit, jedes Kind entsprechend seines Entwicklungsstandes dort abholen zu können, wo es gerade steht und seine individuellen Stärken und Schwächen kennenzulernen.

Ein wichtiger Bestandteil der Eingangsstufenarbeit ist die Diagnostik durch gezielte Beobachtungen der Kinder beim Lernen und gemeinsamen Spielen und bei einzelnen Kindern dann in der Folge eine individuelle Lernstandsfeststellung durch einfache Tests oder Screening-Verfahren.

Für Kinder, bei denen eine Teilleistungsschwäche und/oder eine Verhaltensauffälligkeit, die das Lernen beeinträchtigt, erkannt wird, wird spätestens im Lauf des zweiten Schulhalbjahres der E1 ein individueller Förderplan erstellt, der im gemeinsamen Gespräch mit den Eltern Notwendigkeiten und Möglichkeiten der schulischen und außerschulischen gezielten Förderung aufzeigt. Dieser Förderplan wird in der E2 fortgeschrieben. Differenziertes Lernen der Kinder ergibt sich gerade auch aus den Erkenntnissen dieser Förderplanung.


7. Kooperation und Teamarbeit

Elternarbeit
Eine intensive Kooperation mit den Eltern ist ein wichtiger Bestandteil der Eingangsstufenarbeit. Die Eltern werden an Info-Abenden bereits im Kindergarten und darauf folgend in der Schule umfassend über die Eingangsstufe informiert. Schon einige Wochen nach Schulbeginn finden intensive Elterngespräche statt, um Einzelheiten über die Kinder zu erfahren und den Schulbeginn und die Eingewöhnungszeit der Kinder zu besprechen. Begleitend zur Eingangsstufenzeit werden die Eltern bei Bedarf immer wieder über die beste Förderung ihrer Kinder beraten.

Zusammenarbeit mit Kindergärten
Die Zusammenarbeit mit den Kindergärten erfolgt auf verschiedenen Ebenen. Neben dem Kontakt über die Kindergarteneltern der künftigen Schulkinder findet ein regelmäßiger fachlicher Austausch der Pädagoginnen und Pädagogen beider Einrichtungen statt. Traditionell besuchen die künftigen Schulkinder des Kindergartens die E1-Klassen, um die Schule schon vorab einmal kennenzulernen. Darüber hinaus gibt es hin und wieder Besuche der Schulanfänger in ihren ehemaligen Kindergärten oder Kindergartenkinder werden zu besonderen Anlässen wie z. B. Schulfeste, Theateraufführungen oder Vorlesestunden in die Schule eingeladen.

Interdisziplinäre Teamarbeit
Ein besonderes Profil der Eingangsstufe ist die enge Zusammenarbeit zwischen einer Sozialpädagogin/einem Sozialpädagogen und einer/einem Grundschullehrer/in. Des Weiteren finden regelmäßig Konferenzen auf Jahrgangsebene statt. Darüber hinaus gibt es einen regelmäßigen fachlichen Austausch mit Pädagoginnen und Pädagogen anderer Schulen mit Eingangsstufe im Schulamtsbezirk. Und nicht zuletzt wird im Bedarfsfall auch mit weiteren pädagogischen Einrichtungen wie Frühförderstellen, schulisches Beratung- und Förderzentrum sowie Jugendämtern etc. kooperiert.
zurück nach oben zur Übersicht